Den Wechsel gestalten

Darf es auch etwas komplizierter sein?

Wer kennt die Erfahrung nicht: Endlich haben wir uns an eine Aufgabe gemacht, die wir schon viel zu lange vor uns hergeschoben haben. Einige wenige Fragen sind noch zu klären, dann können wir den Punkt endlich abhaken.

Doch beim Versuch diese Fragen zu beantworten, tauchen plötzlich ganz neue Fragen auf. Fragen, an die wir bisher noch gar nicht gedacht haben! Nachdem wir begonnen haben, uns wirklich mit unserem Thema zu beschäftigen, stellen wir fest, dass es doch komplizierter ist, als wir anfangs dachten. Ja es wird immer komplexer, je tiefer wir in die Materie eintauchen. Jede Antwort auf eine Frage wirft mehrere neue Fragen auf!

 

Cynefin 05

 

Ich hatte gerade so ein wunderschönes Beispiel: Mein wirklich alter Rasenmäher gibt so langsam seinen Geist auf. Ich hatte ihn schon von meinem Vater geerbt und das Starten ist inzwischen eine echte Herausforderung. Nun ist es an der Zeit für einen Neuen.

Der alte Mäher hat lange gute Dienste geleistet, also kaufe ich doch am besten den gleichen Mäher wieder. Nur gibt es da natürlich inzwischen ein neues Modell. Und es gibt verschiedene Ausführungen. Welche Breite ist für meinen Rasen eigentlich geeignet? Soll er auch mulchen können? Was sind da die Vorteile und Nachteile? Brauche ich bei meiner Fläche eigentlich einen Antrieb? Wenn noch nicht heute, dann aber vielleicht in 10 Jahren, wenn ich älter geworden bin? Inzwischen gibt es natürlich auch leistungsfähige Akkumäher. Das wäre natürlich leiser, emissionsärmer und weniger störend. Wie leistungsfähig und zuverlässig sind diese Mäher eigentlich? Wer stellt sie her? Gibt es Testergebnisse? Und wenn schon Akku, dann könnte es ja auch ein Mähroboter sein? Was kosten die? ……

(Bis jetzt habe ich noch keine Kaufentscheidung getroffen. Ich werde wohl doch einmal zum Fachhändler in meiner Nähe fahren.)

Was ich mit meinem einfachen Beispiel deutlich machen wollte, ist die Komplexität mancher Themen, die oft auf den ersten Blick gar nicht erkennbar ist. Und dabei ist die Komplexität eines Rasenmäherkaufs nichts im Vergleich zu vielen Unternehmensprozessen, wie z.B. auch den einer Unternehmensnachfolge.

Vom wallisischen Gelehrten Dave Snowden stammt ein sehr interessantes Modell aus dem Bereich des Wissensmanagements, zum Thema Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge: Das Cynefin- Modell.

Cynefin

Er unterscheidet zwischen:

  • Einfach
  • Kompliziert
  • Komplex
  • Chaotisch

Das Modell macht deutlich, dass in verschiedenen Situationen unterschiedliche Handlungsweisen passender, oder unpassender sind.

So reicht es bei einfachen Themen den Sachverhalt zu beurteilen und eine Entscheidung zu treffen.

Dieses Verhalten würde bei komplizierteren Themen aber zu einem hohen Anteil an Fehlentscheidungen und suboptimalen Ergebnissen führen. Stattdessen ist es notwendig das Thema zu analysieren und Zusammenhänge zu ergründen. Hier ist eine systemische Sicht- und Herangehensweise am erfolgversprechendsten.

Bei komplexen Themen sind auch mit den aufwändigsten Analysen am Anfang nur zu wenige oder zu ungenaue Informationen zu bekommen. Hier haben iterativere Lösungsansätze, die häufig unter dem Attribut „Agil“ zu finden sind, bewährt. Viel probieren hilft hier oft sehr viel und verhindert manchmal auch den Supergau – das Scheitern des Projektes. Soziale Systeme, wie Unternehmen, oder Familien, sind typischerweise komplex.

Noch einmal anders schaut es bei chaotischen Szenarien aus. Hier muss man am Anfang einfach erst einmal irgendetwas tun,. Ein Beispiel dafür sind Naturkatastrophen.

Wo siedeln wir jetzt Unternehmensnachfolgeprozesse an? Das hängt vom Einzelfall ab. Natürlich gibt es einfache Nachfolgen. Viel häufiger kommt es aber vor, dass das Thema als einfacher Fall behandelt wird, obwohl es das nicht ist. Das stellt sich dann aber oft zu spät heraus. Die Mehrzahl der Nachfolgeprozesse fällt sicherlich unter die Kategorien „kompliziert“ und „komplex“. Interessanterweise findet sich in der Praxis selten eine Unterscheidung in der Herangehensweise. Das wäre aber für optimale Ergebnisse erforderlich. Manchmal auch, um ein Abgleiten in ein chaotisches Szenario zu vermeiden. Denn dem folgt nur allzu oft das Scheitern!

Im UNZD e.V. beschäftigen wir uns auch mit diesen Unterschieden in Unternehmensnachfolgeprozessen.

(Grafik: Paul Bayer, CC 2.0 DE Lizenz)

 

E-Mail