Den Wechsel gestalten

Aufbauen oder Auslöschen?

Von Hunden, Pharaonen und Präsidenten

 Trump Unterschrift

Hundebesitzer kennen das Zeremoniell, speziell wenn sie einen Rüden bei seinen Ausflügen begleiten dürfen: Da wo ein Vorgänger sein Bein gehoben hat, muss die eigene Duftmarke darüber gesetzt werden und der Geruch des Vorgängers möglichst getilgt werden.

Was bei Tieren instinktiv geschieht, war vor wenigen Tagen auch bei der Inauguration des neuen US-Präsidenten zu beobachten – natürlich nur im übertragenen Sinne. Das ist nichts Neues. Schon im alten Ägypten hatte Haremhab (Regent 1321-1293 v.Ch.) fast alle Hinweise auf seine Vorgänger aus Tempelwänden, Texten und Statuen entfernen lassen. Und es ist keine Seltenheit. Ist es doch immer wieder bei anderen Nachfolgeprozessen in deutlich kleineren Unternehmen zu beobachten.

Ich durfte selbst vor einigen Jahren einen derartigen Wechsel in der Unternehmensspitze eines deutschen Mittelständlers beobachten, bei dem der vorherige Marktführer fast in den Konkurs ging.

Der Sohn des ausgeschiedenen Unternehmers hatte, sobald er die Führung übernommen hatte, fast alles verändert, was sein Vater aufgebaut hatte. Man konnte den Eindruck gewinnen, dass der Sohn alles auszulöschen versuchte, was den Stempel des Vaters trug. Die Chefetage wurde ebenso komplett umgebaut, wie das Führungspersonal, das Betriebsgebäude und die Geschäftsfelder. Und das in kürzester Zeit. Die Folgen: KnowHow-Verlust, Motivationsverlust, Umsatzrückgang, Qualitätsprobleme und letztlich eine massive finanzielle Schieflage.

Was in diesem Unternehmen, ebenso wie in diesen Tagen in Amerika, erkennbar wurde, ist die Macht von Emotionen und irrationalen Handlungsursachen. Statt rationalen und strategischen Überlegungen beherrschen Emotionen die für die Zukunft des Unternehmens wichtigen Entscheidungen! Die eigene Person und ihre Entscheidungen werden aufgewertet, indem der Vorgänger und sein Wirken schlecht gemacht werden. Das geht manchmal bis zur Kriminalisierung, Krankheitszuschreibungen und Dämonisierung. Die Auswirkungen auf Mitarbeiter und Kunden und damit das Unternehmen sind vorhersehbar!

Natürlich geht es bei einer Unternehmensnachfolge auch immer um den Spagat zwischen dem Bewahren des vom Vorgänger Aufgebauten einerseits und Innovationen und Veränderungen durch den Nachfolger andererseits. Die Ausgangssituationen können dabei sehr unterschiedlich sein, je nachdem wie dynamisch das Marktumfeld ist, in welchem Umfang innovative Investitionen im Vorfeld der Nachfolge getätigt wurden und wie sich die Persönlichkeiten von Vorgänger und Nachfolger unterscheiden.

Besonders schwierig kann es werden, wenn die Unternehmensnachfolge nicht mit einem harten Schnitt vollzogen wird, sondern mit einer Phase des gemeinsamen Übergangs, in der der scheidende Unternehmer z.B. noch in Teilfunktionen oder beratend tätig ist. Gerade dann zeigt sich, ob eine wertschätzende und respektvolle Anerkennung der Standpunkte und Sichtweisen des jeweils anderen möglich ist. Denn genau darin liegt der Schlüssel zum Erfolg: Wertschätzung, Respekt und Anerkennung. Manchmal fällt es schwer diese Standpunkte einzunehmen, weil Konflikte schon zu lange bestehen oder zu fortgeschritten sind. Dann kann eine externe Begleitung hilfreich sein, die Ziellinie doch noch zu erreichen und die Zukunft des Unternehmens zu sichern.

Anmerkung: Das Logo des UNZD e.V. versinnbildlicht übrigens genau diese Situation, dass die Zukunft des Unternehmens auf der Vergangenheit aufbaut, inklusive der Möglichkeit des Scheiterns, wenn der Kipppunkt überschritten wird.

E-Mail